Festivalbericht - WGT 2025 - Sonntag

Am dritten Tag des 32. WGT haben wir uns erst einmal in aller Ruhe entspannt – mit Frühstück und schönen Gesprächen, um dann ins Heidnische Dorf zu starten. Dort gab es wirklich keine lange Schlange am Einlass – das neue Konzept scheint sich also bewährt zu haben.


An diesem Tag sollten harten Gitarren das Ruder auf der großen Bühne im HeiDo übernehmen und die erste Band, die wir zu Gehör bekamen, waren Alvader aus den Niederlanden. Die fünf Herren kamen in ihren Leder- und Jeanswesten nach vorn und rockten auch direkt los. Dutch Pagan Metal – also harte Riffs mit holländischen Texten – das ist schon eine wilde Mischung. „Hallo Leipzig – seid ihr mit uns? Are you ready?“ Frontmann Joris heizte gut ein, aber das Mitsingen des Publikums klappte anfangs noch etwas schleppend – es waren wohl nicht so viele Kenner der Formation dabei. Aber nach und nach ging es bei Songs wie „Ongebroken“ oder „Midwinternacht“ immer besser und Zuschauer und Band hatten miteinander Spaß. Eine Gitarre – in rosa – passte irgendwie nicht ganz ins Bild – das machte aber gar nichts. Wer ist schon immer angepasst?! Der Schlamm vor der Bühne, der durch den nächtlichen Regen entstanden war, störte das Publikum nicht – es waren Pommesgabeln zu sehen und auch fliegende Haare. Schlamm gehört eben zum Metal – wie jedes Jahr in Wacken. Und was auch dazu gehört, ist Luftgitarre spielen und böse zu schauen – durch die gute Laune wurde aber auch gelächelt, was die Herren sehr sympathisch machte. Der Gig war sehr souverän und die Mucke absolut anhörbar.


Die nächste Formation wurde von den Fans schon erwartet und als die Jungs von Gernotshagen die Stage enterten waren davor viele Fäuste in den Himmel gestreckt. Mit Jubel wurden sie begrüßt und dann konnte es mit Pagan Metal aus Thüringen in die Vollen gehen. Frontmann Askan hatte eine Axt in der Hand und sah so, auch wegen seines schwarzen Makeups, sehr furchteinflößend aus. Auch seine Kollegen hatten fast alle ihre Gesichter schwarz geschminkt. Sie sahen aus wie eine Horde bestehend aus einem Elfen an der Gitarre, einem Schwarzmagier an der anderen Gitarre, einem Zwerg am Bass und einem Dämon als Sänger. Der Gesang war hier mehrheitlich durch Growlen und Kreischen bestimmt – wobei er auch echt gut singen konnte zwischendrin. Die Gitarristen Daimonicon und Roman verausgabten sich und bewiesen, dass sie Fingerfertigkeit 15+ hatten (die Rollenspieler unter euch wissen bestimmt, was wir meinen). Dabei waren ihre Gesichter fast immer von ihren langen Haaren verhüllt. Auch die Menge vor der Bühne ließ die Haare beim Headbangen fliegen – es war echt viel los. Keyboarder Sebastian entlockte seinem Instrument monumentale, fast theatralische Klänge, die sich mit den Gitarren und den schnellen Drums vereinten. Auf der Setlist waren unter anderem „Blut für die Meute“ oder „Eisenwald“ vertreten. Die Zuschauer hatten damit ihren Spaß und riefen immer wieder: „Ihr seid zu leise.“ Es wurde aber nicht lauter gemacht, denn schließlich waren auch Kinder im HeiDo anwesend, die nicht verschreckt werden sollten. Der Gig war sehr erfolgreich und am Ende durfte sogar eine Zugabe gespielt werden. Was wollten die Fans als mehr?!


Nach kurzer Verschnaufpause war es auch schon wieder Zeit für den nächsten Programmplan auf der großen Stage. Finntroll aus Finnland waren an der Reihe. Auch hier wurden die Musiker, die allesamt lange spitze Ohren hatten, mit viel Jubel vom Publikum begrüßt. Am Mikrofonständer von Frontmann Vreth war ein großer Schädel zu sehen, aus dem dann auch noch Rauch qualmte – das war mal ein neuer und cooler Effekt. Die Fans waren sofort Feuer und Flamme und so wurde direkt wieder geheadbangt was das Zeug hielt. Es kam immer mehr Bewegung auf – das entwickelte sich zu einer wilden Folk Metal-Party. Die Band hatten ihren Spaß daran und rockte richtig ab. „Finntroll is back!“ Leider war der mehrstimmige Gesang kaum zu hören, da die 2. Stimme zu leise war. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Es wurden alte und ganz neue Stücke gespielt und fast durchgängig wurde mitgeklatscht und mitgegrölt. Vreth sang mit Hingabe – mit geschlossenen Augen. Die Gitarristen Skrymer, Routa und Tundra wechselten immer wieder ihre Postitionen oder rockten gemeinsam vor dem Schlagzeug von MörkÖ ab. Da gab es immer wieder etwas Neues zu sehen und so wurde es keinen Moment langweilig.


Wir haben dann aber noch einmal einen umfassenden Spaziergang durch das Heidnische Dorf unternommen und Zeit mit lieben Freunden verbracht. Dabei kamen wir an einem Ritterkampf an der kleinen Bühne vorbei, der viele „Opfer“ forderte. Das war ein wahrer Spaß und weiter ging es dann, um all die tollen Stände zu begutachten.


Als wir wieder an der Bühne angekommen waren, betrat auch schon die nächste Band die Bretter, die die Welt bedeuten. Kalandra aus Norwegen und Schweden war dann für uns die Entdeckung des Tages. Wir kannten die Formation vorher nicht und waren dann absolut positiv überrascht, denn das, was da geboten wurde, war himmlisch. Selbst bezeichnen die Musiker ihren Stil als „weaving ethereal melodies into raw and eerie musical landscapes“. Wir würden es als poppigen Nordic Folk betiteln. Mit einem Horn begrüßte uns Florian und dann spielte er seine Gitarre zu „The Waiting Game“ auch noch mit einem Geigenbogen – abgefahren. Die Sängerin Katrine beeindruckte vom ersten Ton an mit ihrer lieblichen, engelsgleichen Stimme. Ihren Gesang unterstützte sie dann noch mit ausufernder Gestik. Die Band wurde hier toll von hinten angeleuchtet, was toll aussah. „Hello WGT – thank you so much for being here.“ Tanzend und singend war die Frontfrau etwas fürs Auge und das Ohr – toll. Vor der Stage war es sehr voll und alle feierten diese Darbietung. Nicht wenige der Zuschauer sagten, dass sie der Stil sehr an Euzen oder ähnliche Bands erinnere – einfach nur WOW! Weitere Highlights des Sets waren „Slow Motion“ oder „I am“ – es war eine Mischung aus alt und neuer. Dann verriet Katrine, dass ihr Drummer Oskar leider krank zu Hause lag und sie mit Dylan aber einen spontanen und echt guten Ersatz dabei hatten – dafür erhielt dieser einen Extraapplaus. Wir haben uns gleich in die Sounds von Kalandra verliebt – und wenn ihr einmal diese Band miterleben könnt, nutzt diese Chance. Das lohnt sich auf jeden Fall!


Dann machten wir uns aber auf den Weg rüber in die Agra-Halle, denn dort stand ein Highlight bereit. Wir suchten uns noch schnell was zu Futtern und dann ging es in die Halle, wo Moderator Oliver alle Anwesenden auf „einen sehr emotionalen Moment“ vorbereitete. Er und eine ehemalige Wegbegleiterin der Band verrieten, dass dies der absolut letzte Auftritt von Silke Bischoff sein würde – „zu Ehren von Felix“. Mit einem Dank an Axel „fürs Ermöglichen“ ging es dann los. Auf gleich drei Videoprojektionen war ein altes Interview mit Felix über die Entstehung der Band zu sehen, was schon erste Zuschauer zu Tränen rührte. Dann betrat Alexander Veljanov die Bühne und stimmte „Northern Lights“ an. Die Menge jubelte und sang leise mit. Es folgten „I don`t love you anymore“, „The Letter“ und “No Paradise” – allesamt etwas anders arrangiert und von Alexander auch etwas langsamer gesungen. Trotzdem gefiel es der Menge und der Beifall war nach jedem Stück frenetisch. Auf den Leinwänden wurden die Lieder mit Bilder und Videos begleitet. Oliver kam hiernach wieder nach vorn und leitete einen Akustik-Teil des Auftritts ein. Es folgte „The Graveyard“ - ein Lied, dass Axel für Felix‘ Beerdigung geschrieben hatte. Er und eine Sängerin rührten uns damit zu Tränen – ein echter Gänsehautmoment! Und nicht nur Felix wurde hier geehrt – „Für alle die Menschen, die wir verloren haben“ folgte „Engel“ in der akustischen Variante. Dann wurde es aber wieder flotter – Als Sänger hatte sich hier Sven Friedrich bereit erklärt und intonierte alle restlichen Tracks des Gigs. Dabei waren „The Union“, „Under your skin“ und zuletzt auch der Hit „On the other side”, wo auch Alexander wieder dazu kam und sogar Felix‘ Stimme mit eingespielt wurde – wahnsinnig schön. Auch alle im Saal sangen mit. Sven tanzte dazu ausgelassen und auch das Publikum tanzte zu den heißgeliebten Klängen. Als Zugabe gab es am Ende noch „Waste of time“ und „Small and tired“ auf die Ohren“. Was für ein fulminanter Tribute-Erinnerungs-Gig. Wir waren hin und weg. Die Gastsänger haben ihre Sache echt gut gemacht. Für uns, und für viele andere Fans sicher auch, schloss sich hier der Kreis, weil wir einst den ersten Silke Bischoff Auftritt auf der Parkbühne in Leipzig miterlebt hatten und nun eben den allerletzten. Danke für diese Reise! Das war wahrlich emotional und schön!


Wir brauchten dann einen Moment zum Durchatmen – den hatten wir auch, denn bis zum Mitternachtsspecial war es noch ein bisschen Zeit. Dann war es aber endlich soweit und Frontmann John fragte: „Good evening Deutschland – You’re ready for PIL?“ Die Musiker von Public Image Limited nahmen Aufstellung und dann ballerte uns Punk der alten Schule um die Ohren. John, den einige von euch sicher auch unter dem Namen Johnny Rotten kennen, wippte zu den eigenen Klängen drauf los und sang mit guter Laune „Home“. Dabei breitete er die Arme aus und sah aus wie ein Punk-Jesus. Ansonsten unterstrich er seinen Gesang mit wilder Gestik und Mimik. Seine Ausstrahlung war schon beeindruckend. Der mehrstimmige Gesang zusammen mit Robert und Scott kam hier gut rüber und die Fans feierten den Auftritt ihrer alten Punk-Legenden. Hinter den Herren war das Logo der Band auf der Leinwand zu sehen. Der Jubel nach jedem Song war großartig, was die Musiker sichtlich berührte. Es wurde mitgeklatscht und auch mitgesungen – vor allem als „This is not a love song“ angestimmt wurde. „Thank you for being here.“ Na aber gern doch, denn das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Schließlich will jeder alte Punk mal sagen können – ich hab Johnny Rotten mal live gesehen – egal, ob es nun mit den Sex Pistols war oder wie hier mit PIL. Und nun konnten auch wir das sagen.


Bis zum Ende hielten wir allerdings nicht mehr durch – der Tag war lang und emotional und unsere Kräfte schwanden. Also überließen wir es dem restlichen Publikum, PIL noch eine Weile abzufeiern und zogen uns in unsere Unterkunft zurück.

Weiter zu Tag 4


Autor: Trixi


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