
Die letzte Konzertreise - "Exit Strategy"-Tour - ist bereits seit über drei Jahren vorüber. Das Kunstprodukt hat sich in dieser Zeit neu erfunden: Max Gruber hat den Solokünstler Drangsal gekillt und zusammen mit Lukas Korn und Marvin Holley die Band Drangsal gegründet. Drangsal ist tot – es leben Drangsal. Unter diesen neuen Vorzeichen erschien im Sommer 2025 das neue und vierte Album „Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen“. War auf dem Album „Exit Strategy“ noch überzuckerter Synth-Pop vorherrschend, sind nun Klavier und Orgel vorherrschend - Klavinet und Cembalo, Xylophon, Violinen und Celli, Querflöten und Saxophone, Gospel Chöre und Technobeats. Kurzum: das Album manifestiert einen Umbruch im Klangkosmos Drangsals.
Die nun sechsköpfige Live-Band in neuer Formation besuchte am 02.10.2025, im Rahmen der aktuellen Tour, das altehrwürdige UT Connewitz und brachte dieses neue musikalische Konzept auf die Bühne des ausverkauften Hauses.
Als Support durfte die talentierte und aus Danzig stammende Geigerin Izabela Kałduńska alias „The New Solarism“ den Abend eröffnen. Sie ist für ihre vielseitigen Arbeiten bekannt – kombiniert sie doch auf experimentelle Weise ihr klassisches Geigenspiel mit elektronischer Musik und Loops.
Selbstverständlich wurden bekannte und neue Songs zu Gehör gebracht. Die Experimentierfreudigkeit des aktuellen Albums übertrug sich dabei auch auf das Konzert. Im Mittelpunkt stand natürlich weiterhin und unangefochten Sänger Max. Er agierte als Zeremonienmeister, hielt die gesamte Zeit Kontakt zu seinen Bandmitgliedern und befand sich beständig in Austausch mit dem an seinen Lippen hängenden Publikum. Apropos Fan-Nähe: die Frage und Antwortrunde mit erlaubten Songwünschen sorgt für einige Lacher und für Aha-Effekte in der Zuhörerrunde.
Nach dem Haupt-Set ging es, ganz logisch und unter Jubel-Rufen, weiter. Und war das schon der Abschied? Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte - tatsächlich waren schon, wie im Fluge, 90 Minuten vorüber. Was blieb waren ein denkwürdiges und nachhallendes Konzerterlebnis der neuen Drangsal.
Autor: Falk Scheuring