
Anfang September machen wir uns ja jedes Jahr auf den Weg nach Selb zum Festival-Mediaval und natürlich war das auch dieses Jahr so. Der Goldberg rief und wir kamen – zum diesjährigen Gothic-Special. Außerdem hatte Orga-Chef Bläcky Schwarz im letzten September den Staffelstab an den Admiral Ulf überreicht und so war das 25er FM auch das erste unter neuer Leitung. Wir waren gespannt!
Die Eröffnung am Freitagnachmittag verlief recht unspektakulär – zum einen wollte Ulf, so seine Worte, es nicht allzu lang machen, und zum anderen brannten die zahlreichen Gäste auch auf die Musik. So kamen also kurz der Bürgermeister von Selb, der das Festival seit Jahren unterstützt, und Ulf als Orga-Chef zu Wort und dann ging es auch schon los.
Die erste Show des Festivals war für PurPur reserviert, die seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des FM sind. Die Zwillinge standen jedoch nicht als Duo auf der Bühne, denn schließlich war es ein Jubiläumskonzert. Die beiden bekamen musikalische Unterstützung von Ella Zlotos (Ephemeral), dem Duo Saitenweise, Hinrich von Heiter bis Folkig und dem Duo Akleja. So wurde es ein kurzweiliges Programm aus Balladen, heiteren Trinkliedchen, mehrstimmigem Gesang und viel Spielfreude bei schönstem Sonnenschein. Vor der Bühne hatten sich auch bereits zahlreiche Fans versammelt und diese spendeten jedem Stück den gebührenden Applaus. Wir drehten nebenbei unsere erste Geländerunde, schließlich ist das FM für uns immer ein bisschen auch ein „Familientreffen“ mit der selbstgewählten Family.
An allen Ecken und Enden des Goldbergs gab es viel zu sehen und zu entdecken, The Blackbeers eröffneten den Reigen auf der Burgbühne – jetzt war auch klar, warum sich Ulf zu Beginn so kurzgefasst hatte, er stand nämlich dort mit auf der Bühne. Im Hafenviertel gab es Comedy, auf der Theaterbühne Kontaktjonglage und Artistik. Wir suchten uns erstmal ein Abendessen.
Danach zog es uns erneut zur Schlossbühne, wo sich Mila Mar angesagt hatten. Die Formation um Sängerin Anke Hachfeld war zum ersten Mal in Selb zu Gast und konnte sich über viele Menschen im Publikum freuen. Sofort mit dem ersten Ton zog Anke die Zuhörenden in ihren Bann. Ihre markante Stimme und die unverwechselbare Art zu singen verursachte nicht nur bei mir die erste Ganzkörpergänsehaut des Festivals. Meist mit geschlossenen Augen stand die Frontfrau am Mikrofon und präsentierte einen Querschnitt durch das Werk von Mila Mar. Die Leute ließen sich auf diese musikalische Reise mitnehmen und saßen entweder beseelt auf der Wiese oder tanzten zu den Klängen der Musik. Zwischendurch brandete immer wieder Applaus auf – zu Recht, muss ich sagen! Mila Mar avancierten direkt zum ersten Highlight des Festivals.
Fast hätte ich darüber vergessen, dass ich der Autorin Maya Malou versprochen hatte ins Literaturzelt zu kommen. Dort stellte die quirlige Schriftstellerin nämlich ihr aktuelles Buch „Das Zwergenkompendium“ vor, welches per Crowdfunding finanziert, von Poul Dohle illustriert und vom Verlag Edition Roter Drache zu Beginn des Jahres veröffentlicht wurde. Maya Malou nahm die Gäste mit in die doch durchaus diverse Welt der Zwerge und machte deutlich, dass die Kumpels aus den Minen von Moria nur ein kleiner Teil der Wahrheit sind. Besonders hat mir das Märchen vom Zwergenamulett gefallen, welches ebenfalls von Maya erdacht worden war. Dieses Märchen könnte ohne Weiteres in irgendeinem Märchenbuch dieser Welt stehen, auch wenn das Gesamtwerk eher kein Kinderbuch ist. Die Idee ist, erklärte die Autorin, dass das Kompendium als eine Art Forschungsergebnis zu sehen ist. Am besten besorgt ihr euch das Büchlein und schaut selbst mal rein, es lohnt sich!
Ich musste allerdings schon nach gut der Hälfte der Lesung wieder los zur nächsten Bühne. Ich wollte unbedingt Goethes Erben sehen und was soll ich sagen – ich wurde nicht enttäuscht! Oswald Henke eröffnete das Set mit Klassikern der Bayreuther Band. Ich stand selig grinsend am Bühnenrand und lauschte dem „Zinnsoldat“, fragte mich wo „Iphigenie“ steckt und litt „5 Jahre“ lang mit dem Frontmann. Zack – Zeitreise in die frühen 90er! Untermalt wurde die Musik von einer grandiosen Lichtshow und im Hintergrund tanzte eine junge Frau zu den Klängen. Die Menge vor der Bühne war wie gebannt von dem Spektakel und beklatschte jedes Stück ausdauernd. Goethes Erben boten eine gute Mischung aus Alt und Neu, aus eigenen Stücken und Liedern, die aus anderen Projekten von Oswald kamen. Zum Ende des Sets konnte die Band noch Anke Hachfeld und Luci van Org als Gastsängerinnen begrüßen – das habe ich leider verpasst, weil wir schon wieder im Hafenviertel unterwegs waren.
Wer mit der neuen Deutschen Todeskunst nichts anfangen konnte, hatte sich nämlich dort eingefunden. Auf der Bühne standen Circus of Fools und brachten ihre Modern Metal Madness mit. Die Tübinger Band, deren Markenzeichen es ist in creepy Clownskostümen aufzutreten, ließ es richtig krachen. Sängerin Tammy wechselte zwischen typischen Metalgrowl und glasklarer Melodie, ihre Jungs holten aus Gitarre, Bass und Drums das Letzte raus. Vor der Bühne gab es neben den obligatorischen Pommesgabeln und springenden Menschen auch viele fliegende Haare zu sehen. Was für ein Abriss! Da hatten sowohl die Band, als auch die Besucher jede Menge Spaß und sicherlich haben Circus of Fools jetzt eine Reihe Fans mehr.
Nach einem kurzen Schlendern über den nächtlichen Goldberg ging es für uns ein letztes Mal nach ganz oben zur Schlossbühne, wo ASP eine Best Of-Show vorbereitet hatten. Die Formation, die vor drei Jahren das erste Mal in Selb war, freute sich sichtlich auf das Wiedersehen und so ging es direkt in die Vollen. Ein offenkundlich erfreuter Frontmann betrat die Bühne und brachte seine ganz persönlichen Diskographiefavoriten mit. Es gab einen Ausflug in diverse Alben, unter anderem auch zu „Zaubererbruder“, was mich persönlich sehr freute. Alexander Spreng verwandelte sich mittels einer gehörnten Maske in einen ‚wahren Satan‘, ließ sich von der Menge feiern und holte mitten im Set die Sängerin Nic Frost dazu, um mit ihr einige Lieder im Duett zu präsentieren. Das Publikum ging die ganze Zeit bei jedem Track mit, sang, klatschte im Takt und tanzte durch die Nacht.
Ein würdiger Headliner für den ersten Festivaltag, aber bei uns war dann irgendwie die Luft raus. Wir verzogen uns also schnell in unsere Stammpension, um alle Akkus aufzuladen – also die von den Kameras und unsere.
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Autor: Billie