Festivalbericht - Festival-Mediaval 2025 - Sonntag

Wir begannen den Festivalsonntag mit einem Geburtstagsfrühstück, denn unser Fotograf startete in ein neues Lebensjahr. Deswegen ließen wir den Award auch an diesem Tag weg und ließen es entspannter angehen.


Dann ging es zum Goldberg, wo bereits die Awardgewinner aus dem letzten Jahr die Schlossbühne enterten. SPP und die 7 Generäle sind ein MusikerInnenkollektiv, welches sich in der Messestadt Leipzig gefunden hat und im vergangenen Jahr den Award in der Kategorie Folk für sich entscheiden konnte. Mit weit über zehn Mitwirkenden war die Bühne fast zu klein für die Formation, die das Publikum mit frechem Piratenfolk in den Tag schickte. Vor der Bühne hatte sich bereits eine erkleckliche Menge an alten und neuen Fans zusammengefunden und tanzte mit der Band in den frühen Nachmittag. Wir ließen uns von der guten Laune, die von der Bühne herunterschwappte, anstecken und wippten eine Weile im Takt mit.


Dann schlenderten wir übers Festivalgelände und landeten schließlich an der Burgbühne, um uns den Auftritt von Delva anzuschauen. Die Band um Sängerin Johanna Krins konnte ebenfalls viele Interessierte anlocken und so schwebte Johannas glasklare Stimme über einem andächtig lauschenden, aber auch tanzenden Publikum, welches jeden Track mit gebührendem Applaus honorierte. Die Mischung aus Balladen und rockigen Tracks nahm die Leute mit auf Johannas Reise durch ihre musikalische Welt – eigentlich genau das Richtige für den Sonntagnachmittag, aber wir mussten nach gut der Hälfte des Sets schon wieder los.


Nach einem ausgedehnteren Imbiss, währenddessen wir einem unterhaltsamen Marktauftritt von Trancas‘ Trabanten (feat. Sören Vogelsang) zuschauten, erwartete uns auf der Schlossbühne ein Urgestein des Gothrock – End of Green aus dem Süden Deutschlands standen auf dem Plan und viele Fans warteten ungeduldig auf das Konzert. Den ersten Applaus gab es schon, als die Band die Bühne betrat und dann rockten die alten Herren los. Es ging kreuz und quer durch die Banddiskografie, natürlich durften auch Tracks vom neuesten Album „Twinfinitiy“ nicht fehlen. Die versammelte Menge feierte die Band, klatschte mit und spendete Beifall. Mich hat das Ganze, ehrlich gesagt, nicht so abgeholt, aber ich bin jetzt auch nicht wirklich Fan dieses Genres. Außerdem öffnete der Himmel kurzzeitig seine Schleusen, was mich ins Trockene scheuchte. Aber auch aus dem Backstage konnten wir hören, wie End of Green den Auftritt souverän zu Ende spielte, um dann grinsend von der Bühne zu gehen.

Im Anschluss daran wurde der Folk-Zwerg verliehen und dieser ging an das italienische Duo Ragnarök. Die beiden Musiker werden also im kommenden Jahr wieder auf dem Goldberg zu Gast sein.


Wir waren schon wieder aufm Sprung – Diary of Dreams sollten den Tag auf der Burgbühne beenden und das wollten wir nicht verpassen. Auch hier gab es jede Menge Fans, die ungeduldig warteten und die Band mit Beifall und Jubelschreien begrüßten. Adrian Hates lockte mit seiner sonoren Stimme auch Leute zur Bühne, die vielleicht bisher noch nicht viel von Diary of Dreams mitbekommen hatten – das FM ist schließlich ein Mittelalter- und Folkfestival. Auf jeden Fall war der Platz vor der Bühne gut gefüllt und nicht nur die Damen im Publikum hingen an Adrians Lippen. Ich war beeindruckt, mit wie viel Präsenz und Stimmung Diary of Dreams auch bei Tageslicht punkten können. Bisher hatte ich die Band immer nur in dunklen, vollen Hallen erlebt. Aber so unter freiem Himmel mit viel Augenkontakt in die Menge und Gänsehautfaktor in der Stimme war es ein tolles Erlebnis. Natürlich durften die Klassiker wie „The Curse“ und „Traumtänzer“ nicht fehlen. Letzteres begleitete uns auf dem letzten Aufstieg des Tages zur oberen Ebene und wir konnten hören, wie laut das Publikum mitsang. Sehr, sehr schön!


Der Tag und damit auch das Festival-Mediaval neigte sich dem Ende zu und nun stand noch genau eine Band im Programm. Mit VNV Nation, die schon seit den frühen Morgenstunden auf dem Gelände waren und die Gelegenheit für einen Ausflug über die Märkte und in die Lager nutzten, gab es den wohl größten Plottwist in der Geschichte des FM. Eine Futurepop-Band auf Europas größtem Mittelalterfestival – irgendwie wollte das für einige nicht zusammenpassen. Aber wie das passte! Zwar kam Ronan Harris noch etwas verhalten auf die Bühne und auch das zahlreich anwesende Publikum war gespannt, doch mit den ersten Tönen war der Bann gebrochen. Das FM tauchte ein in die Welt des Electropops, bereits in den ersten Minuten fingen die Menschen an zu tanzen und auch die Band wurde zusehends sicherer und entspannter. Ronan begrüßte alle mit einem lachenden Gesicht und dann ging mit viel Bass, Licht und Tanz die Post ab. Im Verlauf des Sets hielt der Frontmann einmal kurz inne und erklärte dem Publikum, dass er zunächst nicht wusste, was ihn in Selb erwartet. Aber als er sah, mit wie viel Liebe und mit wie viel Respekt gegenüber der Geschichte dort auch die historischen Details des Genres Mittelalter gepflegt werden, war er sehr überrascht und zollte den Organisatoren und den Gästen ziemlich ergriffen seinen höchsten Respekt. Er bedankte sich auch nochmals für die Einladung und dann ging es weiter mit Musik. Ganz ehrlich, ich habe lange nicht so viel getanzt wie bei diesem Abschlussgig, der für mich ein würdiger Sonntagsheadliner war. Das wurde auch durch den vielen Applaus und die tanzenden Menschen im Publikum bestätigt, die sich auf die Band eingelassen haben. Danke an VNV Nation – es war grandios!


Mit den letzten Tönen war das Gothic-Special des Festival-Mediaval dann auch schon wieder Geschichte. Unter neuer Regie, aber mit genauso viel Liebe waren knapp 1600 Mitwirkende an der Realisierung des Festivals beteiligt. Es konnten gut 16800 Gäste begrüßt werden und wir waren mittendrin. Wir sind uns sicher, dass diese Ausgabe neue Fans für das Festival begeistern konnte. Nicht wenige Menschen haben bereits am Wochenende ihre Tickets für das kommende Jahr gekauft. Dann steht das Wochenende vom 11.-13.09.2026 unter dem Motto „Legends – Legendäre Shows, legendäre Konzerte“. Wir freuen uns schon jetzt unter anderem auf In Extremo, Faun, Mr. Hurley & die Pulveraffen, Corvus Corax und Subway to Sally. Aber auch Bands wie die Pyrates!, Cara, Deloraine, Flook, Saor Patrol und viele mehr stehen auf dem Plan.


An dieser Stelle möchten wir uns bedanken: bei den Pressekollegen und Kolleginnen, die für uns wie eine Familie geworden sind, bei der Festivalorga, die einen tollen Job gemacht hat, bei den vielen Helfern, die jedes Jahr dazu beitragen, dass sich jeder Mensch auf dem Goldberg wohlfühlen kann, bei allen Bands, AutorInnen und KünstlerInnen für euer Herzblut, das ihr in eure Auftritte packt, bei allen HändlerInnen, die zum Gesamtbild beitragen und ohne die das FM unvollständig wäre, bei allen TechnikerInnen, die immer für ordentlichen Sound und tolles Licht sorgen und nicht zuletzt bei der Security, die wir als die wohl entspannteste der uns bekannten Festivalwelt kennenlernen durften.

Unser einziger Kritikpunkt ist, dass das Klonen und Beamen noch nicht erfunden wurden, denn wir können jedes Jahr immer nur einen Bruchteil des kompletten Programms wahrnehmen. Aber wir kommen jedes Jahr gern auf den Goldberg und würden uns freuen, euch alle 2026 wieder zu sehen. Bis dahin!


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Autor: Billie

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