Festivalbericht - Elektrisch Festival Synth Pop Edition 2026

In diesem Jahr fand bereits zum 18. Mal ein Elektrisch Festival statt. Zum ersten Mal wurde das Event an zwei Tagen zelebriert – 1x in der Synth Pop Edition und 1x in der EBM-Variante. Wir waren für euch bei Ersterem mit an Bord. Also fuhren wir am 27.02.2026 in den Club Seilerstraße in Zwickau. Wir waren kurz nach Einlass vor Ort und suchten uns direkt einen tollen Sitzplatz aus, von dem aus wir die Bühne gut im Blick hatten.


Die Veranstalter Jörg und Thomas begrüßten zu Beginn alle Anwesenden und verrieten „Endlich volljährig“. Sie wiesen auf die Besonderheiten des Events hin: das erste Mal eine Band das 2. Mal mit dabei und ebenfalls erstmalig an zwei Tagen. Sie bedankten sich bei allen Beteiligten und bei den Zuschauern fürs Treuehalten. Mit einem Hinweis auf die geplante alljährliche Weihnachts-Auktions-Aktion, bei der immer Geld für die SOS-Kinderdörfer gesammelt wird, übergaben die beiden Herren schließlich an die musikalischen Highlights des Abends.


Den Anfang machten KY aus Berlin. Wir hatten das Duo bisher noch nie gesehen und waren entsprechend gespannt. Das ging bestimmt auch einigen anderen im Publikum so. Als Sängerin Acey Jee und ihr Kollege Stephen auf die Bühne kamen, wurden sie mit Beifall begrüßt. Ihr Outfit sah mit dem auffälligen Schmuck auf den Schultern toll aus. Und überhaupt war diese große Frau eine echte Erscheinung mit einer großartigen Ausstrahlung und einem schönen Lächeln. Dann begann sie das Set und beeindruckte bei „demons“ mit ihrer kraftvollen, tiefen Stimme. Wow! Drummer Stephen hatte sein Instrument interessant um sich herum aufgebaut – er stand sozusagen IN seinem Arbeitsgerät – das hatten wir so auch noch nicht gesehen. Er zeigte aber, dass es so für ihn genau richtig war und gab einen guten Beat an. Dabei wurden die beiden mit verschiedenfarbigen Lichtstrahlen in Szene gesetzt. Acey lief beim Singen auf der großen Bühne hin und her und legte viel Gefühl in ihren Gesang. „Schönen guten Abend. Wir sind seit zwei Jahren unterwegs und ich singe mir hier die Seele aus dem Leib“, so die einführenden Worte der Frontfrau. Bei „I surrender“, der „aktuellen Single“, stand sie mit ausgebreiteten Armen da und genoss die Stimmung im Saal, denn es wurde mitgetanzt und jedes Stück wurde beklatscht. Der Sound war super und der Bass ziemlich fett. Die meisten der Tracks von KY sind eher autobiographisch angelegt – außerdem „no ordinary people“, das aus der Sicht eines Stalkers geschrieben wurde. Hierbei schlug Stephen auf seine Drums ein wie ein Tier – coole Socke! „not in love“ war ein Lied für all jene, deren Herz 1x zu oft gebrochen war – „ihr seid nicht allein“. Hierbei stand die Sängerin in einem Lichtstern, was echt schön aussah. Den beiden war ihre Spielfreude anzusehen und dieser Funke sprang auf die Zuschauer über. Es kam immer mehr Bewegung auf – vor und auf der Stage - und die gute Laune war überall zu spüren. Weitere Stücke waren dann noch „neon lights“ oder „secret garden“. Die Band bedankte sich noch für die Einladung und dankte allen Helfern und Mitwirkenden. Mit „grey room“, dem Song „mit dem alles angefangen hat“, beendeten die beiden schließlich ihr Set, das aus unserer Sicht ruhig noch länger hätte dauern dürfen. Wir haben das Ganze echt genossen – ihre tolle Stimme und die tanzbaren Rhythmen war wirklich schick. Wenn ihr KY einmal anschauen könnt, nehmt diese Möglichkeit ruhig wahr – es lohnt sich! Danke dafür – eine tolle neue Entdeckung für uns.


Der nächste Programmpunkt war Blind Passenger – es sollte wohl der vorerst letzte Auftritt dieser Formation werden, wie Jörg es zu Beginn angekündigt hatte. Auf der Bühne wurden links und rechts zwei Pulte mit dem Bandlogo aufgestellt, während die Mädels der Band mit einem großen „Welcome to Sincity“-Schild und Sirenen durch das Publikum auf die Stage wanderte. Einer der Musiker, mit Dreispitz auf dem Kopf, spielte zu Beginn ein Didgeridoo und sorgte für besondere Klänge. Frontmann Nik Page und seine Kollegin droschen derweil auf kleine Trommeln ein und gaben den Takt an. Los ging es dann mit dem The Invincible Spirit-Cover „Push“, bei dem die Fans laut mitbrüllten und los tanzten. Dabei trug der Sänger noch eine irre Sonnenbrille, die er dann später aber ablegte. Sein Outfit war überhaupt auffällig gewählt – silberfarbenes Oberteil und einen Hut auf dem Haupt. Die Damen sahen allesamt sexy aus in ihren knappen Outfits – echt was fürs Auge. „Ran an den Speck“ meinte Nik und so legten er und seine drei Damen + der Herr mit dem Dreispitz los. Der mehrstimmige Gesang bei „Shake hands“ war ganz gut – leider gab es aber soundtechnisch später immer wieder mal einige Ausreißer, was der guten Stimmung im Saal aber keinen Abbruch tat. Der Frontmann hatte gute Laune und tanzte ausgelassen zu den eignen Klängen. Er sang außerdem immer wieder einige Personen im Publikum an und grinste die ganze Zeit. Und weil die Arbeit als Musiker auch „Teamwork“ ist, kam zu „Hello Destiny“ Solitary Experiments-Frontmann Dennis mit auf die Bühne und so wurde das Lied gemeinsam Arm und Arm performt. Die Menge feierte das sehr. Es waren sogar „Nik wir lieben dich“-Rufe von den Fans zu hören. Mit dem Klassiker „Born to die“ ging es schließlich weiter im Programm. Hiernach verriet Nik, dass das Band-Album „Destroyka“ gerade seinen 30. Geburtstag gefeiert hatte, was einen Extra-Applaus bedeutete. Mit einem Schleiertanz von Gitarristin HayDee zeigte die Band, dass hier Sound und Optik eine Einheit bildeten. Leider war der Sound, wie schon gesagt, immer mal wieder das Problem – die Stimme von Nik war zu kraftlos, wie bei „Small town night“ oder einige Töne kamen in der falschen Tonlage rüber. Das war etwas schade. Musikalisch ging es durch die Bandhistorie durch – mit „Absurdistan“, wo einige riesige Fahnen geschwenkt wurden, oder „Dein Kuss“ gab es Songs, wo alle Fans mitsingen konnten. Es wurde ab und zu auch mitgeklatscht. Auf den Wunsch einiger Anhänger gab es dann auch noch Tracks aus dem 80s Express-Programm der Formation. „Running up that hill“ (im Original von Kate Bush) wurde abgefeiert. Und weil das Set-Ende damit noch nicht erreicht war – so verhießen es zumindest die Zugabe-Rufe aus den Zuschauerreihen – ließ Nik noch abstimmen, was denn noch gespielt werden sollte. Gewonnen hatte dann „Photographic“ von Depeche Mode, wo besonders der fette Bass beeindruckte. Uns hat dieser Gig tatsächlich am wenigsten abgeholt an diesem Abend, aber das muss ja nichts heißen. Die Fans von Blind Passenger hatte auf jeden Fall Spaß und das ist die Hauptsache. In Zukunft will sich die Band mehr auf ihre 80s-Variante konzentrieren – es war dann also doch etwas Spezielles.


Nach einer Umbaupause ging es schließlich weiter im Programm. In weiße Anzüge gekleidet kamen schließlich Purwien & Kowa hervor und die Zuschauer begrüßten sie mit viel Applaus. Dann ging es mit „Liebe ist endlich“ dann auch direkt in die Vollen. Sänger Christian Purwien lief hin und her und zog dann später auch Schuhe und Socken aus, um barfuß performen zu können. Thomas Kowa stand den Keyboards und wippte im Takt mit. Sie meinten dann, dass sie „der kümmerliche Rest von Second Decay“ seien und deswegen mussten auch die Stücke dieser Band gespielt werden. Sie verrieten noch, dass sie hofften, dass Christians Stimme durchhielt, denn er war sehr erkältet. Da hofften wir doch alle mit, hatten wir uns z.B. schon sehr auf diesen Gig gefreut. Der Sound war wieder gut und der Beat forderte direkt zum Mitwippen und Tanzen auf. „Passenger“ – ein Cover von Iggy Pop – wurde dargeboten und dann ging das Duo wieder dazu über die eigene Musik zu Feiern. Auf und vor der Stage wurde ausgelassen getanzt. Zu „Desert“ wurde im Hintergrund das passende Musikvideo gezeigt – wie eigentlich zu allen Songs. Die beiden kamen immer mehr aus sich raus – was sich auch auf die Sprüche, die sich gegenseitig um die Ohren hauten, auswirkte. Die beiden hatten echt Spaß und sorgten so auch für Lacher. Alte Second Decay-Hits wie „Alle Fehler“, das mit Inbrunst gesungen wurde, kamen zu ihren Ehren, neben den Purwien & Kowa Stücken wie „Die Liebe tanzt“. Die Mischung war echt großartig. „Der Nerv“, und der andere „alte Scheiß“, wie „Hinter Glas“ oder „I’m leaving“, ließ die Fans strahlen und immer wieder wurde einzelne Zeilen mitgesungen. Allmählich war auch zu hören, dass Christians Stimme angegriffen war, aber er machte tapfer weiter und scherzte selbst viel darüber, dass wir uns an seinem Leid weiden würden. Schön, wenn Mann über sich selbst lachen kann! Trotz der zunehmenden Heiserkeit sang er mit viel Gefühl, geschlossenen Augen und Hingabe – Danke für diesen Einsatz. Natürlich durfte der große Smash-Hit „I hate Berlin“ an diesem Abend nicht fehlen. Dafür kam Thomas nach vorn. Er hatte sich ein kleines elektronischen Soundeffekt-Gerät umgeschnallt und tanzte mit seinem Kollegen um die Wette. Die beiden hatten so eine Freude an der Performance – das war eine wahre Freude. Mit „Anders sein“ war dann sowohl stimmlich als auch von der Zeit her das Ende dieses Auftritts erreicht. Das Duo bedankte sich beim Publikum und wurde mit viel Applaus verabschiedet. Wir hatten auf jeden Fall viel Freude an dieser Performance und schwelgten bei den alten Stücken in Erinnerungen an alte Party- und Konzertnächte – auch dafür ein großes Dankeschön! Und gute Besserung für Christians Stimme.


Nach einer weiteren Umbauphase war es schließlich Zeit für den Headliner dieses Festival-Tages – Solitary Experiments. Als Intro lief die Titelmusik des Kult-Trickserie „Captain Future“ und also die vier Jungs die Bühne betraten wurden sie mit Jubelstürmen empfangen. Drummer Sebastian gab den Beat an und dann konnte zu „Wonderland“ losgetanzt werden. Auch hier lief im Hintergrund immer das zu den Liedern passenden Musikvideo mit, was echt schick war. „Schönen guten Abend Zwickau“ so die saloppe Begrüßung durch Sänger Dennis. Er verriet, dass sie in ihrer langen Bandgeschichte tatsächlich das erste Mal in Zwickau seien – also eine Premiere. Die Jungs wurden bei „Every time“ in rotes Licht getaucht und Musikgenie Micha ging an seinen Keys richtig mit. „Ist das elektrisch?“ – Aber sowas von. Dann holte die Band zu „Crash & Burn“ eine Gastsängerin auf die Stage – es handelte es sich hierbei um Olivia, die sie sich bei Blind Passenger ausgeborgt hatten. Sie war im Laufe des Sets dann gleich bei mehreren Stücken mit von der Partie und zeigte, dass sie eine schöne Stimme hatte, was Dennis jedes Mal aufs Neue begeisterte. „Wir sind ja `ne Band wie mesh – nur Hits.“ Das war also das Motto des Abends – die Hits wurden gespielt, was dem Publikum mehr als gefiel. Die Arme waren beim 15 Jahre alten „Delight“ oben zum Mitklatschen und wirklich jeder im Saal bewegte sich im Takt mit. Zu diesem Track wurden im Video Kinderbilder gezeigt – sehr cute. Zu „Immortal“ überraschte der Frontmann damit, dass der letzte Refrain auf einmal auf Deutsch dargeboten wurde. Dennis war so gut drauf, dass er in den Liedern immer wieder ausgelassene Sprüche klopfte – wie „alt aber geil“ - und dann dadurch den Einsatz verpasst – das machte ihn irgendwie noch sympathischer als wir ihn sowieso schon finden. Es folgte wirklich ein Kracher nach dem anderen – „Do you feel?“, „Déjà Vu“ oder auch „Brace yourself!“ sorgten dafür, dass aus dem Saal eine Art Hexenkessel wurde, denn es wurde immer wärmer, weil alle so ausgelassen tanzten und feierten. „Es ist schön, wenn das Publikum mit altert“. Der Frontmann lief beim Singen viel hin und her und seine Kollegen gaben im Hintergrund den Ton an. Sebastian zog irgendwann sein Hemd aus und verausgabte sich regelrecht an den Drums. Der „Mitmachsong“ „Epiphany“ sorgte für viel Begeisterung – im Takt wurde mitgeklatscht oder die Arme bildeten kurzzeitig ein wogendes Meer – echt schick. Zu „Heart of stone“ war Olivia ein letztes Mal zu Gast und rettete Dennis, als er aus Versehen den Einsatz verpasste. Er nahm es aber mit einem Lächeln und bedankte sich überschwenglich für ihre tolle Mitwirkung an diesem Abend. Und wenn eine Band schon Hits aus der ganzen Bandgeschichte darbietet, durfte auch etwas vom Debütalbum nicht fehlen – es wurde „Land of tomorrow“ – „da waren wir noch jung und naiv“. Als Ausblick auf den folgenden EBM-Festival-Tag hatten die Berliner auch noch „Discipline“ in petto – der Bass war härter und der Beat treibender. Micha sang hier auch mit, was gut ankam. Und weil die Zeit dann schon fortgeschritten war, stimmte die Band den letzten Song an. „Stars“ wurde bejubelt und gemeinsam sangen und feierten Musiker und Fans dieses Stück. Wir summten im Gehen noch mit und machten uns dann auf den Heimweg. Dieser Gig war wieder einmal der Beweis dafür, dass Solitary Experiments ein Garant für gute Stimmung, eine tanzende Meute und beste Laune sind – jedes Mal. Danke Jungs, das war echt Spaß pur!


Wir hatten an diesem Tag wirklich viel Freude und haben es sehr genossen. Vielen Dank an die Bands und Künstler*innen und auch an die Veranstalter. Ambiente und Darbietungen bildeten eine tolle Einheit und wir können dieses Festival damit auf jeden Fall empfehlen. Geht also hin, wenn es das nächste Mal heißt – das Elektrisch Festival steht an!

Autor: Trixi


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