Festivalbericht - NCN Special 2021 - Sonntag

&thumbnail=1An diesem Tag reisten wir absolut pünktlich an, denn den Opener mussten wir auf jeden Fall miterleben – wir lieben Beyond Obsession nun einmal sehr. Manja kündigte das Trio als „die schönsten Weiße-Stiefel-Träger“ an. Recht hatte sie! Ein Video lief als Intro, Nebel waberte über die Stage und dann ging es auch schon los. Keyboarder Andre trug zu den weißen Schuhen einen Rock und sein Tasten-Kollege Marco sah auch cool aus. Sänger Nils grinste breit und mit einer Sonnenbrille auf der Nase legte er los. Seine Stimme beeindruckt mich immer wieder und so ging es auch vielen anderen Fans an diesem Sonntagmittag. "Wie haben wir das alles vermisst“, meinte er strahlend aufgrund des lauten Beifalls und der guten Stimmung zu dieser frühen Tageszeit. Er und das Publikum tanzten ausgelassen zu den Beats und grüne Lichtstrahlen wanderten zwischen den Jungs hin und her. Textlich passte da die Zeile „We are one“ sehr gut – wir alle waren in diesem Moment eins! Andre beobachtete seinen Frontmann immer lächelnd und genoss die Show, so wie wir auch. Neuere Stücke, aber auch bekannte Melodien wie „Lie after lie“, „Song for the dead“ und natürlich „Tokio Underground“ kamen zu ihren Ehren. Ich feiere die Jungs ja jedes Mal und auch dieser Gig war grandios und ich will mehr davon! So dachten auch die Fans beim NCN-Special 2021, denn es wurde direkt nach einer Zugabe gerufen. Doch leider war dafür keine Zeit.


&thumbnail=1Mit Popowackeln hatte dieser Tag also begonnen und so konnte es direkt weitergehen, denn Vogon Poetry aus Schweden waren an der Reihe. Mit ihren fluffigen Popsounds, die mich irgendwie an S.P.O.C.K erinnerten, ließen sie bei allen Zuschauern das Tanzbein zucken und verbreiteten gute Stimmung. „It’s good to see so many people out there.“Ja, es war gut gefüllt vor der Bühne. Die Stimme von Frontmann John war beeindruckend und er sah in seinem roten Jackett auch sehr fesch aus. Die Beats der neuen Single „Atomic Skies“ wurden vom Publikum mitgeklatscht und sowohl John als auch sein Kollege Roger droschen auf die E-Drums ein, während Daniel die Tasten am Keyboard drückte. Selbstverständlich behielt das Trio seine Tradition bei und trank ein Gläschen Jack Daniels auf der Stage – Prost! Wir haben sehr gelacht und gut abgefeiert – Vogon Poetry merken wir uns – davon wollen wir unbedingt mehr!


&thumbnail=1Von den ganzen elektronischen Klängen vom Tagesbeginn, ging es nun über zu Gothic Rock aus Essen – Aeon Sable boten den „Soundtrack for dark souls“, so Manja. Sänger Nino wirkte nervös und schrie seine Ansagen zu Beginn eher ins Mikrofon. Mit „Visions“ stieg die Formation schließlich ins Set ein und sofort kam eine ganz spezielle Atmosphäre auf. Drei Gitarristen und der Frontmann verausgabten sich – die Drums kamen vom Band. Den Fans war das aber gleich und so wurde direkt mitgetanzt und mitgesungen. Nino stand kaum still und lief immer wieder Runden über die ganze Bühne. Dabei feierte er die eigenen Sounds und vor allem die Gitarrensoli seines Kollegen Din-Tah Aeon. „It’s great to be here“, so sahen es auch die Zuschauer und applaudierten viel. Immer mehr versank der Sänger in der Musik und irgendwann war es für ihn so intensiv, dass ihm sogar die Tränen über die Wangen liefen. Dann zündete er sich eine Zigarette an und lobte die „Farbpracht – dieses Meer von Schwarz – megageil!“ Auch Din-Tah sang bei einem Stück mit – genauer growlte er das „Salvation“ von „Burn for salvation“ ins Mikro – wo holte er denn diese Stimmlage her?! Es war ein souveräner Gothic-Trip und die Menge feierte die Musiker sehr.


&thumbnail=1KatzKab hatten anfangs Startschwierigkeiten und als es dann endlich losgehen konnte, fanden wir uns direkt in den Soundwelten von Siouxsie and the Banshees und ähnlichen Künstlern wieder. Das deutsch-französische Projekt vermischte Punk, Postpunk, Death Rock und noch einiges mehr, was die Formation selbst als Cabaret bezeichnet. Die Sängerin Vik tänzelte beim Singen hin und her und gemeinsam mit ihren Mitmusikern bot sie mehrstimmigen Gesang, der auf einem tollen Klangteppich in unsere Ohren schwebte. „We are superhappy to be here“, hauchte sie ins Mikrofon und schon erklang einer der neuesten Songs, bei dem auch das Saxophon eine tragende Rolle spielte.


Wir zogen uns aber an dieser Stelle zurück und gönnten uns ein wenig Qualitätszeit mit einigen unserer Freunde, die wir ja allesamt lange nicht treffen konnten. Auch dafür sind Festivals ja ein großartiger Ort – Gemeinsamzeit und sich genießen.


&thumbnail=1Wir verquatschten uns dann auch ein wenig und rappelten uns erst wieder auf, als She Pleasures HerSelf schon auf der Kulturbühne begannen. Gitarrist David peitschte gerade sein Instrument aus – mit seinem blutverschmierten Gesicht sah er dabei sehr gefährlich aus. Sänger Nuno V trug eine rote Perücke und sorgte mit seiner tiefen Stimme für Begeisterung. Vom Sound her beschrieb Moderatorin Manja das Ganze als 80er Jahre-Klänge, die „in die heutige Zeit“ geholt seien. Das trifft es ziemlich genau. Ich würde sogar noch dazu übergehen, es als Postpunk in schnell zu bezeichnen. Im Hintergrund liefen Fetisch-Videos auf der Leinwand, während im Vordergrund die Band alles gab. Keyboarderin Leticia tippte die Tasten und ließ sich zu keinem Zeitpunkt zu einem Lächeln hinreißen, obwohl das Publikum mitging und lautstark applaudierte. Ein großer Ballon schwebte über den Fans und diente als Spielball – das funktioniert aber auch immer. Der Gig war für viele Anwesende eine Überraschung – waren die Portugiesen ja auch noch nicht so oft live mitzuerleben – wieder etwas Neues entdeckt – ausgezeichnet.


&thumbnail=1Rotersand hingegen waren alte Bekannte und forderten vom ersten Augenblick dazu auf, „mit uns“ zu feiern. Gesagt – getan. Auch hier diente die Videoleinwand im Hintergrund dazu, den Auftritt noch mehr auszufüllen, während Krischan mit Kopfhörern auf den Ohren für den Sound und Rascal mit Hut und Mikro am vorderen Bühnenrand für gute Laune sorgten. Vom ersten Ton an, feierte das gesamte Auditorium mit – es wurde gesungen, geklatscht und natürlich getanzt. „It’s about us“ war nur einer der Highlights der Setlist. Auch Rascal hatte seinen Spaß und tanzte quer über die Bühne oder er stellte sich auf die Boxen im Bühnengraben, die dabei auch schon mal wackelte und er aufpassen musste, nicht zu stürzen. Mit einer Erinnerung an das allererste NCN, wo sie auch live dabei waren, ging es weiter im Programm und nicht wenige schwelgten gedanklich in den Bildern von damals. Den Hinweis „Wir sind eine Tanzveranstaltung“ hätte es nicht mehr gebraucht, war doch schon überall Bewegung. Schließlich wurde es aber auch mal „seriös“ und der Sänger holte eine Federboa hervor, die er sich um den Hals schwang und so „You know nothing“ schmetterte. Als er dann noch zur Gitarre griff, hatten alle eine Chance zum Durchatmen, denn es wurde etwas ruhiger. Die Mischung war genau richtig und wir sagen artig „DANKE Rotersand“ – das war großes Kino!


&thumbnail=1Allmählich kam das Festival dann aber zu seinem Ende – es waren nur noch die beiden Headliner auf den beiden Bühnen übrig. Die Kulturbühne machte hier den Anfang mit den Herren von Spiritual Front. Bevor die Italiener hervor kamen, ging wieder ein Dank an die Techniker raus – die haben wieder einen Spitzenjob abgeliefert. Doch dann war es Zeit für „Italian suicide pop“. Die Leinwand zeigte den Film „Mama Roma“ während Sänger Simone, Gitarrist Giorgio mit Hut und im Dunklen Hintergrund Drummer Andrea den Auftritt meisterten. Andreas Stimme sorgte für Gänsehaut. Die Rhythmen waren in meinen Ohren eine Mischung aus Country und Western und der Musik aus der Zeit der 1970er Filmgeschichte. Der zweistimmige Gesang passte wahnsinnig gut dazu und sorgte für verzückte Gesichte beim Publikum. Auch sie waren froh, über die Möglichkeit, bei diesem Event dabei zu sein und gaben ihr absolut Bestes. Stücke wie „I walkthe (dead)line“ oder „Jesus died in Germany” sorgten für Jubel unter den Fans. Giorgio wirbelte beim Gitarrenspielen um die eigene Achse und zeigte, dass er es echt drauf hatte. Das war ein wahnsinnig toller Abschluss für die kleine Stage und hätte nicht besser sein können. Danke Holger und seinem Team dafür!


&thumbnail=1Und auch noch einmal ein Dankeschön – im Namen aller Fans – Danke, dass ihr endlich einmal die Ikonen von Front 242 für dieses kleine aber feine Festival gewinnen konntet. Die Ränge vor der Amphibühne waren proppevoll und alle warteten auf die ersten Klänge der Kult-Belgier. Und dann ging es endlich los. Mit Lampen an den Händen kamen Jean-Luc, Patrick, Richard und Tim nach vorn und ein Begeisterungssturm empfing sie. Alle trugen Sonnenbrillen und tanzten drauf los bei „First in / First out“. Die Textzeilen „Move the body“ wurden direkt von allen Zuschauern befolgt. „Hallo NCN – It’s good to be back“. Das sahen die Fans genauso und machten mächtig Stimmung, was den Musikern gefiel. Doch plötzlich fielen die E-Drums aus. Doch nach einer kurzen Unterbrechung, in der die Techniker umherwirbelten, konnte es dann wieder in die Vollen gehen. Die Sänger Jean-Luc und Richard liefen hin und her und hatten Freude daran, nur fröhliche und zufriedene Gesichter zu sehen. Die Lichtstrahlen der Scheinwerfer wanderten zwischen den Herren im Nebel hin und her, was echt toll aussah. Mal sang der Jean-Luc vorn und Richard drosch mit auf die E-Drums ein und dann war Richard wieder der Frontmann und sein Kollege sah ihm mit verschränkten Armen aus dem Hintergrund zu – so geht das nämlich mit dem Ruhm teilen. Hits wie „Funkhadafi“, „Red team“ oder „Quite unusal“ sorgten für Ausraster bei den Fans in den ersten Reihen – so geht eine mächtig gewaltige EBM-Fete. Aber auch gleich drei neue Songs hatten es an diesem Abend in die Setlist geschafft und das gab allen Liebhabern der Band den Rest – sie waren im Himmel!


Als dann der Klassiker „Headhunter“ erklang waren wir aber schon auf dem Weg zum Auto und auf dem Heimweg – wir waren kaputt und mussten unbedingt ins Bett. Aber wir hätten nicht zufriedener sein können. Holger und sein Team haben wieder einmal bewiesen, dass mit einem guten Konzept eben auch in diesen Zeit ein Open Air Festival funktionieren kann – wenn sich alle dran halten. Für mich persönlich war es ab und zu ein wenig zu beengt an der Kulturbühne und deswegen schaute ich mir nicht jeden Auftritt dort an, aber ansonsten war es rundherum gelungen und wir hoffen, dass das wegweisend für andere Events war und wir in Zukunft wieder mehr solche tollen Live-Momente in Gemeinschaft erleben können. Seid ihr auch dabei!?


Zurück zu Tag 1


Autor: Trixi


Galerien des Festivals